Teil 1 - Stromverbrauch durchs Internet

Die Realität des Virtuellen

Klimakiller Smartphone, Foto: JBN

Der CO2-Ausstoß durch das Internet bedroht die Umwelt, warnen kanadische Forscher. Schuld daran ist auch der weltweite Datenrausch der Handynutzer.

Wer hätte gedacht, dass unser Alltagsbe­gleiter, die selbst gewählte elektronische Fußfessel namens Smartphone, eine der­artige Gefahr für die Umwelt ist? Klein, unscheinbar, winziger Akku, kaum Stromverbrauch. Doch die Emissionen bei Produktion und Gebrauch der Smart­phones sind deutlich höher als bislang vermutet. Die Branche wird im Jahr 2040 voraussichtlich für 14 Prozent aller Emissionen verantwortlich sein, denn: Bei jeder SMS, jedem Telefonat, jedem Video-Download ist ein Server in einem Rechenzentrum eingeschaltet, der diese Kommunikation ermöglicht. Das Smart­phone selbst ist ein sehr energieeffizientes Gerät. Allerdings: In der Herstellung braucht das Smart­phone fünf bis zehn Mal so viel Energie und CO2 wie in der Nutzung. Besonders der Abbau not­wendiger Rohstoffe wie Erze, Metalle und seltener Erden ist sehr energieintensiv. Wenn das Smart­phone dann in der Nutzung über seine Apps Dienste in Rechenzentren anstößt für die Datenübertra­gung, benötigt man nochmals den Faktor zehn, um das Smartphone zu betreiben. Das Internet ver­ursacht durch seinen Stromverbrauch weltweit inzwischen ebenso viel Kohlendioxid-Ausstoß wie der Flugverkehr, errechnete das Freiburger Öko-Institut.


Einige Zahlen und Fakten:

  • Wäre das Internet ein Land, dann hätte es heute schon den sechstgrößten Energiever­brauch der Welt. Einen erheblichen Teil dieser Energie verbraucht die Kühlung

  • Aktuell werden 13 Terawattstunden für den Betrieb des Internets und der Rechenzentren in Deutschland verbraucht. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch von Berlin.

  • Alle Rechenzentren Frankfurts verbrauchen rund 20 Prozent des gesamten Stroms der Metropole

    neue Fahrzeugtechniken werden das Problem noch verschärfen:

  • Schon heute sammeln "smarte Autos" reichlich Daten: etwa 25 Gigabyte pro Stunde.

  • Bei autonom fahrenden Autos wird sich dies Prognosen zufolge auf 250 Gigabyte Daten pro Stunde verzehnfachen. (Quelle: ZDF)


PC-Games und Smartphones

Auch PC-Games haben es in sich, wie der Stromverbrauch eines „Second-Life-Avatars“ zeigt: Wenn man den Verbrauch der Spielecomputer sowie der 4000 Second-Life-Server berücksichtigt, ergibt dies einen Jahresverbrauch von 1752 Kilowattstunden für jede der virtuellen Gestalten dieses Computerspiels – damit verdoppelt sich der Stromverbrauch eines durchschnittlichen Ein-Personen-Haushalts!

Das Problem wird weiter verschärft durch unseren ungebremsten Smartphone-Durst: Besaßen 2011 noch 700 Millionen Menschen weltweit ein Smartphone, waren es 2017 schon drei Milliarden. Und die Smartphone-Nutzer befinden sich im Datenrausch - sie surfen immer mehr. 54 Millionen Smart­phones werden derzeit in Deutschland genutzt, 124 Millionen Alt-Geräte liegen in deutschen Schubladen - in Sachen Umweltschutz eine Katastrophe: Für jedes Handy, das professionell wieder­aufbereitet wird, können 48 Kilo CO2 eingespart werden.

Hier ist also jeder Einzelne gefragt. Was die Hersteller und Netzbetreiber angeht, wird wohl kein Weg an nachhaltigeren Rechenzentren vorbeiführen. Einige Betreiber experimentieren bereits mit der Nutzung von Abwärme, die durch das Kühlen der Server entsteht.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/smartphones-2040-groesste-klimakiller-100.html


Was kann der/die Einzelne tun?

Am einfachsten ist das, was Löwenzahn-Moderator Peter Lustig seinen Fernsehzuschauern schon in den 1980er Jahren empfahl: "Einfach mal abschalten!", am besten immer, wenn kein Gerät benutzt wird!

BUND-Empfehlung: TV-Tuner statt Internet-Fernsehen

Laptops benötigen weniger Energie, weil sie einen kleineren Bildschirm haben, beanspruchen aber eine hohe Serverleistung, wenn sie Filme oder Videos streamen. Ein TV-Tuner für Laptop oder PC benötigt keine weite­ren Ressourcen und liefert auch meistens einen störungsfreien Empfang, dh. es ist nur selten mit Aussetzern oder zeitversetztem Ton zu rechnen.

Ist dies nicht möglich, sollten sie bei Ihrem Satelliten- oder Kabel-TV bleiben. Es gibt inzwischen auch schon viele preiswerte Tuner, die Sendungen auf USB-Sticks oder externen Festplatten auf­zeichnen können.

Vermeiden Sie Clouds

nach einer Greenpeace-Studie verbraucht das Cloud-Computing mehr Strom als ganz Deutschland. Noch dazu werden die Rechenzentren der Internetriesen in den USA und China überwiegend mit Kohlestrom gespeist. USB-Sticks oder externe Festplatten sind zudem vor Fremdeingriffen sicherer.

Verzichten Sie auf PC-Games mit Internet-Anbindung

Sie müssen kein virtueller Superman sein, um mit Freunden ein spannendes Spiel zu bestreiten. Als Secondlife-Avatar im Netz verbrauchen sie aber ebenso viel Strom wie ein realer Einpersonen-Haus­halt.


Klimakiller des Monats: Bitcoins

Bitcoins sind 2008 im Zuge der weltweiten Finanzkrise zum ersten Mal aufgetaucht. Jeder kann sich für den entsprechenden Gegenwert die Währung auf den Rechner laden oder auch selbst her­stellen. Eine durchgeführte Transaktion wird durch das Netzwerk gesendet, das aus den Rechnern besteht, auf denen der Bitcoin-Client installiert ist. Jede neue Transaktion wird mit den Netzwerkda­ten abgeglichen und auf ihre Richtigkeit überprüft. Mit jedem neuen Bitcoin wird das Schürfen auf­wändiger. Die Miner benötigen immer leistungsfähigere Computer und ständig neue Kapazitä­ten. Um eine einzelne Bitcoin-Transaktion abzuwickeln, werde derzeit genauso viel Energie ver­braucht, wie 17 US-Haushalte an einem Tag benötigen, heißt es im viel zitierten Bitcoin Energy Consumption Index. Tendenz steigend.

Das Portal „Power Compare“ geht davon aus, dass der Stromverbrauch für Bitcoin-Mining den jährlichen Durchschnittsverbrauch von Irland und den meisten afrikanischen Ländern übersteigt. Insgesamt sollen bereits rund 0,14 Prozent des weltweiten Elektrizitätskonsums auf das Netzwerk entfallen. Die Werte basieren zwar eher auf Schätzungen und lassen einige Faktoren wie unter­schiedliche Kühlsysteme außer Acht. Sie helfen aber bei der Einordnung der Dimensionen.