Stromnetzausbau/SüdLink

BUND Naturschutz Main-Spessart kritisiert Trassenführung

Der Bund Naturschutz Main-Spessart kritisiert die Planung für die "Südlink"- Höchstspannungs-Trasse generell und durch den Main-Spessartkreis im besonderen. Durch das Vorhaben wird die Energiewende nicht vorangebracht, sondern die bestehenden Strukturen eines Verbunds von überwiegend fossilen zentralen Großkraftwerken auf europäischer Ebene werden zementiert.

Die Notwendigkeit mehrerer "Stromautobahnen", darunter des Südlink, steht keineswegs außer Frage. Engpässe bestehen aber nicht bei den Höchstspannungsleitungen selbst, sondern bei der Zuführung von Windstrom, z.B. aus Windparks in Ostfriesland, in diese Höchstspannungsleitungen.

Die Behauptung, der Südlink stelle eine Verbindung des windstromreichen Nordens mit dem energiehungrigen Süden dar, ist irreführend.  Die angefügte Grafik aus dem Bundeswirtschaftsministerium (Bürgerdialog Stromnetz) zeigt andere Fakten: Einen europaweiten Verbund, in dem die "Stromautobahnen" in Europa in erster Linie zwischen den Großkraftwerken gezeichnet sind - und auch die Atom- und Kohlekraftwerke in Tschechien, Polen, Litauen und Estland sind schon dabei, nicht aber Windkraftanlagen im Binnenland.

Die Netze sind derzeit in der Regel nur zu ca. 1/3. ausgelastet, Stärkere Auslastungen bewegen sich immer noch nur in der Größenordnung von 2/3 der Kapazitäten. In letzter Zeit wurde öfters vorgebracht (z.B. bei ntv),  die Netze wären so stark beansprucht gewesen, dass konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden mussten. War denn dies nicht das Ziel der Energiewende?  Oder sollen erneuerbare Energien dauerhaft nur eine beliebige Option neben Atom- und Kohlestrom bleiben?
  
Ebenso wird behauptet, dass der Ausbau der Netze überfällig sei und vor der Bereitstellung neuer Anlagen, vor allem Windparks, hätte erfolgen sollen. Der erste Schritt hätte jedoch sein sollen, dass die alten, schmutzigen und unflexiblen Großkraftwerke stillgelegt werden, die jetzt immer noch die Hälfte des deutschen Stroms produzieren und übermäßig Leitungskapazitäten beanspruchen, weil sie nicht im erforderlichen Umfang und angepasst heruntergefahren werden können - man soll den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun (Konfuzius)


Im Landkreis Main-Spessart wertvolle Schutzgebiete betroffen

Trassenkorridore
Trassenkorridore um Gössenheim
Bildquelle:Tennet
Trassenkorridore Übersicht
Trassenkorridore Übersicht.
Bildquelle: Tennet


Gerade eines der ökologisch wertvollsten Naturschutzgebiete (um die Homburg bei Gössenheim)  im Landkreis MSP wird von einem der Trassenkorridore durchschnitten. Und gerade die, die mit am meisten für die Energiewende durch die Bereitstellung von Windparks in bayernweit einzigartigem Maßstab getan haben, werden durch die Trassenführung jetzt vorgeführt und abgestraft. So wird die Energiewende auch sichtbar ad absurdum geführt. 

Besonders ärgerlich ist: In die Erdkabel soll in zunehmenden Maß Strom aus Offshore-Windparks vor der Nord- und Ostseeküste eingespeist werden, der 50% teurer ist als der Windstrom, der vor Ort erzeugt wird - auch ein neuer Schritt zur Verdrängung genossenschaftlicher Energieversorgungungsmodelle zugunsten der zentralischen Strukturen der vier großen Energieversorger.

Ein Ausbau der Windkraft - und auch der Sonnenenergie - dürfte unter diesen Bedingungen im Landkreis wenig Chancen haben und die Betreiber werden sich fragen, wofür sie diese Opfer erbracht haben.

Es zeigt sich, dass Tennet unter "Raumwiderständen", die umgangen werden sollen, wohl in erster Linie bürgerlichen Widerstand, nicht aber ökologisch schutzwürdige Gebiete versteht. 

September 2016



BUND und Bund Naturschutz in Bayern kritisieren Netzausbaupläne

Ein Ausbau des Stromnetzes ist wohl in begrenztem Umfang erforderlich, um Strom aus erneuerbaren Energien zu den Zentren des hohen Verbrauchs transportieren zu können, denn dies macht das Stromsystem flexibler und reduziert den Bedarf an neuen fossilen Kraftwerken. Allerdings ist der Ausbau der Netze nur dort sinnvoll, wo dies zur Erneuerung des Energiesystems und somit zur effizienten Nutzung erneuerbarer Energien beiträgt.

Der von den Übertragungsnetzbetreibern angegebene Netzausbaubedarf geht aus Sicht des BUND weit über die Anforderungen der Energiewende hinaus. Die Planungen sind viel zu sehr auf einen starken Ausbau von Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee ausgelegt. Ein Ausbau der Windenergie an Land, gerade in Süddeutschland, wird nicht ausreichend berücksichtigt. Gleichzeitig dient der vorgeschlagene Netzausbau eben nicht nur wie behauptet dem Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern auch dem europäischen Stromhandel und der höheren Auslastung klimaschädlicher Kohlekraftwerke. Viele Flexibilisierungsmöglichkeiten, die den Ausbaubedarf reduzieren könnten, bleiben hingegen unberücksichtigt.

Der Bund Naturschutz ist nicht generell gegen den Umbau oder gar Neubau von Stromleitungen. Der BUND Naturschutz lehnt aber die geplanten Stromtrassen grundsätzlich ab, solange deren Notwendigkeit für eine Energiezukunft mit 100 Prozent Erneuerbaren  Energien nicht nachgewiesen und nachvollziehbar begründet wurde. 

Nicht berücksichtigt sind zum Beispiel:

  • Stromerzeugungskapazitäten unter 10 MW
  • zukünftiger politisch gewollter KWK-Ausbau (25 %)
  • andere Stromerzeugung aus Biogasanlagen (7,2 GW) – Flexibilisierung
  • Strom-Einsparziele der Politik (10 %)
  • Dynamischer Ausbau der EE
  • Demand-Side-Management (kurz DSM) zur Kappung kurzfristiger Spitzen
  • Netzoptimierung vor Netzausbau

Und es fehlt eine

  • Strategische  Umweltprüfung (SUP)

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Pressemitteilung vom 02.07.15: BN kritisiert Trassenkompromiss

Pressemitteilung vom 29.09.16: BUND NATURSCHUTZ KRITISIERT POLITSHOW STATT TRANSPARENZ BEI PLANUNG DER NEUEN STROMAUTOBAHNEN