Zur Startseite
  • Aktuelles
  • Termine
  • Presse
  • Spenden+Helfen
  • Kontakte+Service

Ortsgruppen

  • Home  › 
  • Aktuelles

Wenn der Wolfsmünsterer Kirchturm zur Kinderstube wird

Eine ungewöhnliche Putzaktion gab es in Wolfsmünster in luftiger Höhe zum Schutz der Großen Mausohren. Naturpark Spessart und BN Ortsgruppe Gemünden arbeiteten zusammen.

11.02.2026

Hoch oben in der Kirchturmspitze von Wolfsmünster befindet sich eines der bedeutendsten Vorkommen des Großen Mausohrs im Landkreis Main-Spessart. Der Dachraum dient in der warmen Jahreszeit als Wochenstube. Hier bringen die Fledermäuse ihre Jungen zur Welt und ziehen sie groß. Im Herbst verlassen sie das Quartier und suchen frostsichere Höhlen oder Gebäude für den Winterschlaf auf. Dann ist der Moment gekommen, das Sommerquartier zu reinigen.
Am einem Freitag im Januar rückten fünf Personen an: Mitarbeitende des Naturparks Spessart und Ehrenamtliche der BN-Ortsgruppe Gemünden. Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde Main-Spessart führten sie eine staatliche Kleinstmaßnahme durch. Ziel war es, das Quartier von Fledermauskot zu befreien; zuletzt war das 2020 geschehen.

Eng und dunkel
„Die Bedingungen vor Ort sind anspruchsvoll,“ so Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturpark Spessart e.V. Zum Einen gibt es in der Turmspitze weder Strom noch Licht. Zum Anderen sind die drei Ebenen nur über steile Leitern erreichbar. Schutzkleidung, Schutzbrillen und Atemmasken gehören zur Standardausrüstung, um den Kontakt mit dem trockenen, krümeligen Kot zu vermeiden. Teilweise lag dieser bis zu 30 Zentimeter hoch auf dem mit Folie ausgekleideten Boden.
Mit Besen, Schaufeln und viel Geduld füllte das Team insgesamt 18 Säcke mit rund 300 Kilogramm Material. Über eine Seilkonstruktion wurden die stabilen Kunststoffsäcke an der Glockenkammer vorbei und danach nach außen abgelassen – ein Umweg, um die enge Treppe zu umgehen. Die Leitern in der Turmspitze erhielten zudem Abdeckplatten, damit sich auf den Sprossen kein Fledermauskot ablagert. Dies erleichtert zukünftige Reinigungsarbeiten und die sommerlichen Zählungen, die von der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern gemeinsam mit den Naturschutzbehörden durchgeführt werden. Die Abdeckplatten spendete freundlicherweise die H.Günther GmbH in Lohr, die auch die Wegweiserschilder für den Naturpark produziert.

Wichtige Wochenstube
Dass sich dieser Aufwand lohnt, zeigt der Blick auf die Bedeutung des Quartiers. Das Große Mausohr ist als FFH-Art besonders geschützt. In Wolfsmünster wurden in manchen Jahren bis zu 1500 Tiere gezählt, im vergangenen Sommer waren es rund 500. Schwankungen dieser Art sind nicht ungewöhnlich, machen aber deutlich, wie sensibel die Lebensräume sind.
Durch die regelmäßige Reinigung bleibt der Dachraum als geeignete Wochenstube erhalten. Zugleich zeigt die Aktion, wie hauptamtlicher Naturschutz und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand wirken können. Der Naturpark Spessart unterstützt solche Maßnahmen, weil sie konkret vor Ort ansetzen – dort, wo Arten auf funktionierende Lebensräume angewiesen sind.