Naturschützer unterstützen Fledermauswein

Fledermäusen hängt heutzutage nicht mehr der Ruch von Draculas Nachfahren an - inzwischen wird allgemein die Bedeutung und auch die Bedrohung der seltsamen Flugobjekte anerkannt, die in der Dämmerung Insekten nachjagen und so zu einem Begriff einer noch intakten Umwelt geworden sind.

28.03.2018

So liebens- und schützenswert die eleganten Tierchen aber auch sind - wenn sie in vierstelligen Stückzahlen auftreten, können ihre Hinterlassenschaften auch zum Problem werden - so in der imposanten St.Michaelskirche in Burgsinn, dem "Sinntal-Dom". Über 1000 Langohrfledermäuse lassen sich hier jährlich im Dachgestühl des Kuppelbaus und über dem Chor nieder und die Guanoberge konnten in den vergangenen Jahren schon Kniehöhe erreichen - zur Sorge der Kirchenverwaltung, die befürchtete, dass die würzigen Gerüche irgendwann die Lehmabdeckungen über dem Kirchenchor durchdringen und die Gläubigen in ihrer Andacht stören konnten.

Bereits 2006 kamen nun schon Aktive der Ortsgruppe Gemünden des BUND Naturschutz unter ihrem damaligen Vorsitzenden Jürgen Lang zu Hilfe und räumten in mühseliger Arbeit die Guanomassen aus dem Dachgeschoss der altehrwürdigen Kirche. Mehr als 20 Abfallsäcke kamen damals zusammen, und vor allem ihr Abtransport gestaltete sich so schwierig, dass die Säcke letztendlich durch ein Kirchenfenster abgeseilt werden mussten.

Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Räumaktion fällig, und auch wenn die Aktiven der Naturschützer mit ihrem neuen Vorstand Hartmut Haas-Hyronimus zahlenmäßig verstärkt antraten, gestaltete sich das Vorhaben nicht viel weniger mühselig. Letztendlich standen aber auch wieder über 20 Säcke Guano bereit, für die sich Abnehmer immer leicht finden lassen: Hobby-Gärtner verwenden den Fledermaus-Guano gerne, weil er einen besonders hohen Stickstoffgehalt hat, aber nicht so alkalisch ist wie gewöhnlicher Geflügel-Guano.

Während der Guano bei der letzten Räumungsaktion in den benachbarten Gärten landete, zeigte diesmal ein Kitzinger Winzer, Michael Völker, Interesse. Er produziert schon seit Jahren "Fledermauswein" in einem mitten in Kitzingen gelegenen Weingarten.

Inmitten dieses Kleinstadt-Idylls liegt ein halbverfallenes Hüttchen. Fledermaus-Freund Christian Söder entdeckte es dort und fragte scherzhaft nach Fledermäusen – kleine Ruinen sind ein gerne genommener Unterschlupf. Daraus entspann sich ein Ideen-Pingpong, aus dem sich schließlich das Projekt „Fledermauswein“ entwickelte.

Angeregt durch den Mosel-Öko-Winzer Harald Steffens-Keß, der seit vielen Jahren mit dem Guano ansässiger Mausohren düngt, organisierten Christian und Michael Völker die Düngung des neuen Weinbergs ebenfalls mit Guano. Kleinere Wochenstuben (vom Großen Mausohr) im Kitzinger Landkreis sowie das ein oder andere Kirchendach in der Region liefern säckeweise Dünger.  

Aus den Trauben dieses Weinbergs wird schließlich ein weißer und ein roter Fledermauswein, ungefiltert, ungeschwefelt, ohne Zusatzstoffe.

Die Trauben für beide Varianten des Fledermausweins wachsen auf Muschelkalk. Seit 2014 wird der Weinberg ökologisch bewirtschaftet. Beide unterscheiden sich in ihrem Geschmacksprofil und ihrer Haltbarkeit deutlich von konventionellen Weinen.  Mit Trub am Flaschenboden muss man schon rechnen – aber der Wein "beißt nicht", es werden nur natürliche Weinbergs-Hefen verwendet. Einmal geöffnet ist der Wein Sauerstoff ausgesetzt und beginnt zu oxidieren. So kann der Wein stündlich seinen Charakter verändern - sicher nicht jedermanns Sache, aber für Freunde eines naturbelassenen und "urigen" Weins sicher immer wieder ein Erlebnis - und vielleicht sogar eine Offenbarung.