Vortrag von Professor Dr. Michael Rosenberger „Unterwegs zu ökologischer Hoffnung“
Im Namen des Pastoralen Raumes Marktheidenfeld und im Rahmen des Marktheidenfelder Klimabündnisses, dem auch der BUND Naturschutz angehört, konnte Ulrich Geißler im September 50 Gäste im katholischen Pfarrheim willkommen heißen. Professor Michael Rosenberger gestaltete einen Vortrag zum Thema seines gleichnamigen Buches: Unterwegs zu ökologischer Hoffnung.
Rosenberger plädierte für einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel. Es brauche eine Einbeziehung aller Lebewesen, vonnöten sei eine Lebewesengerechtigkeit. Nur eine Lebensweise, die auch nichtmenschlichem Leben gerecht wird, sei angesichts der Naturzerstörung und des Klimawandels zukunftsfähig. Der christliche Schöpfungsglaube biete dafür starke spirituelle Kraftquellen, das Verhältnis von Mensch und Natur zu gestalten.
Weltweit sei eines der umfangreichste Artensterben der Erdgeschichte in Gang und dies ist von Menschen gemacht. Nichtmenschlichen Lebewesen wurde immer mehr ihr natürlicher Lebensraum weggenommen, um den Nutzen für die Menschen zu maximieren. Doch das habe sich als Trugschluss erwiesen. In Verbindung mit dem Klimawandel haben wir in diesem Sommer erlebt: Bäume und Pflanzen verdorren, Wälder brennen, Bäche versiegen, Flüsse sind nicht mehr befahrbar, Gletscher schmelzen. Theologisch betrachtet sei es gerade im Namen Gottes notwendig, die Nutzenperspektive der Seinsperspektive unterzuordnen. Gott habe jedes seiner Geschöpfe in Liebe erschaffen, erzählen die ersten Kapitel der Bibel. Damit beziehen die Geschöpfe ihre Existenzberechtigung in erster Linie nicht aus einer Dienstleistung, die sie erbringen, sondern schlicht aus ihrem Dasein.
Umweltpädagogisch stünden wir damit vor der großen Aufgabe, Menschen die Liebe zur Schöpfung nahezubringen. Das wird nur möglich sein, wenn wir die Schöpfung staunend anschauen und einfach auf uns wirken lassen. Dafür brauche es Zeit und genaue Betrachtung mit allen Sinnen. Zum Beispiel bei der Beobachtung des majestätischen Fluges eines Rotmilans können magische Momente entstehen, die ein Gefühl der Weite und des Aufgehobenseins in einem größeren Ganzen erfahren lassen. Staunen und Freude über die Vielfalt des Lebens vermitteln so den Eigenwert und die Würde aller Lebewesen. Gleichzeitig sollte der Blick auf das Verlorene und Zerstörte in der Natur nicht vermieden werden. Heilen könne nur das, was wir ehrlich ansehen. Das dürfe auch zur Klage führen – im kirchlichen Raum zum Beispiel in Form eines Klagegottesdienstes zum Leiden der Schöpfung.
Der Gefahr von Verbitterung oder Gleichgültigkeit setzt Michael Rosenberger das gelassene Engagement aller Menschen guten Willens für die Schöpfung entgegen. In Anlehnung an eine bemerkenswerte Antwort von Vaclav Havel auf die Frage, was für ihn Hoffnung bedeute, gebe es die Gewissheit, dass etwas Sinn hat ohne zu wissen, wie es ausgeht. Unser gemeinsames Bemühen habe Sinn trotz mancher Misserfolge. Hoffnung und Kraft gebe es im Bund mit Gott, indem wir spüren: So ist es sinnvoll, auch wenn nicht alles erfolgreich ist. Dies spiegle sich in dem Martin Luther zugeschriebenen Ausspruch: Auch wenn die Welt morgen unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.
Zum Abschluss gab es den Impuls, dass jeder Mensch die Schöpfung segnen könne und Segen von der Schöpfung geschenkt bekomme.
Im Anschluss bestand noch im Gespräch die Möglichkeit für Fragen und Anregungen. Dies wurde intensiv genutzt. Dabei würdigte man auch das vielfältige Wirken des Marktheidenfelder Klimabündnisses Stadt – Land – Zukunft.
Text und Bild Ulrich Geißler








