Seltene Fledermaus lebt in Wäldern um Karlstadt
Bei den jährlichen Kontrollen der Kästen wird regelmäßig auch eine seltene Fledermausart gefunden, der Kleinabendsegler, wissenschaftlich Nyctalus leisleri. Die Art wurde europaweit zur „Fledermaus des Jahres 2026“ gekürt, um auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen. Es handelt sich um eine mittelgroße Fledermaus mit ca. 30 cm Flügelspannweite. Sie jagt in schnellem, geradlinigem Flug nahe den Baumkronen, entlang von Waldwegen und Waldrändern nach ihrer Insektennahrung (Motten, Mistfliegen, Mücken).
Der Kleinabendsegler lebt in geringer Dichte in den naturnahen Laubwäldern Mainfrankens. Die Tiere nutzen vor allem Baumhöhlen in Eichen, Eschen und Buchen als Versteck. Gelegentlich befinden sich die Quartiere auch in den Dächern von Gebäuden. Im Juni wird der Nachwuchs geboren und großgezogen, ein oder maximal zwei Junge pro Weibchen und Jahr. Um ihren Fressfeinden zu entgehen, wechseln Kleinabendsegler häufig ihre Quartiere und sind daher auf eine große Anzahl geeigneter Verstecke angewiesen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Art wird auf etwa sieben Jahre geschätzt.
Da die Art auch Fledermauskästen nutzt, kann sie in diesen einfach erfasst werden. In den Kastenrevieren um Karlstadt wird der Kleinabendsegler (neben acht weiteren Fledermausarten) seit 2010 mit maximal 18 Exemplaren und positiver Tendenz gefunden. Es handelt sich sowohl um Fortpflanzungskolonien als auch territoriale Männchen mit ihren Harems. Im Rahmen eines bundesweiten Schutzprojektes des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) wurden die Kästen ausnahmsweise auch im Winter kontrolliert. Dabei wurde eine Gruppe von mindestens 12 Tieren angetroffen, einer der seltenen Winternachweise der Art in Bayern. Auch die Karlstadter Ergebnisse fließen in einen bundesweiten Aktionsplan zum Schutz der Art ein.
Der Kleinabendsegler kann zwischen seinen Sommer- und Überwinterungsquartieren große Entfernungen von mehreren hundert Kilometern zurücklegen. Die Zugwege der Art wurden kürzlich mittels kleiner Sender nachverfolgt. Dabei wurden eindrucksvolle Flugleistungen der zierlichen Säugetiere entdeckt: Trotz eines Körpergewichts von nur etwa 13 bis 18 Gramm flogen manche Tiere mehr als 380 Kilometer in nur einer Nacht, etwa vom Thüringer Wald bis zum Bodensee. Innerhalb weniger Nächte flogen die Kleinabendsegler Distanzen bis über 1.000 km. Einzelne Tiere überquerten dabei sogar die Alpen. Trotz großer individueller Unterschiede deuten die Daten darauf hin, dass die Fledermäuse jedes Jahr dasselbe Sommer- bzw. Wintergebiet aufsuchen und dafür gleichbleibende Zugwege nutzen.
Der Mangel an geeigneten Höhlenbäumen stellt für die typische Waldfledermaus eine erhebliche Gefährdung dar. In Häusern sind Kleinabendsegler mit – zumeist energetisch bedingten – Renovierungsarbeiten konfrontiert. Zusätzlich wird die Art häufig an Windkraftanlagen getötet, die zunehmend auch in und über Waldgebieten errichtet werden, dem Hauptjagdlebensraum der Art.
Hinweise auf Fledermausquartiere nehmen die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Main-Spessart (E-Mail: naturschutz@lramsp.de) (bzw. die jeweils zuständige untere Naturschutzbehörde) und die Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern an der Universität Erlangen (E-Mail: fledermausschutz@fau.de) entgegen.
Von Matthias Hammer für den Bund Naturschutz in Bayern, Ortsgruppe Karlstadt, aus einer Pressemitteilung des BN Karlstadt.









