Ortsgruppe Gemünden/Sinngrund

Schachblume
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Vorstandschaft der Ortsgruppe Gemünden-Sinngrund

1. Vorsitzender: Hartmut Haas-Hyronimus, 97737 Gemünden, 09351/6041055, email
2. Vorsitzender: Roland Illing, Gemünden
Kassier: Karl Seufert, Gräfendorf
Schriftführer:  Matthias Ruppert, Langenprozelten
Kassenprüferin: Andrea Gessner, Gemünden
Beisitzer: Ronald Illing, Gemünden, Christian Ruppert, Rieneck, Oliver Kaiser, Gräfendorf, Katharina Ruppert, Gemünden


Jahreshauptversammlung 2018 - Turbulentes Jahr mit erfreulichen Entwicklungen

Zu Ihrer Jahreshauptversammlung trafen sich die Mitglieder der Gemündener Ortsgruppe des Bund Naturschutz am Freitag (8.3.) im Gasthof Linde in Gemünden. Der neue Vorsitzende Hartmut Haas-Hyronimus konnte auf ein streckenweise turbulentes Jahr zurückblicken, das aber am Ende auch manche erfreuliche Ergebnisse geliefert habe.
 
So habe es gleich zu Jahresbeginn bei der Amphibienwegbetreuung Verwirrung um Krötenzäune und Fangeimer gegeben, die nicht so angebracht waren, wie sich erfahrene Krötensammler das vorgestellt  hätten. An einem "runden Tisch" mit Sammlern und Vertretern der beteiligten Ämter in der Straßenmeisterei in Lohr wurden schließlich Absprachen getroffen, wie bei der Amphibienwegbetreuung künftig zu verfahren sei.
 
Zum größten Aufreger entwickelten sich aber Aktionen gegen den Pestizideinsatz in den Christbaumkulturen im Sinngrund. Ein Appell zum Verzicht auf Glyphosat stieß bei den Anbauern auf wenig Gegenliebe, die Stimmung sei jedoch umgeschlagen, nachdem in einem Baumarkt in Gemünden ein mit dem verbotenen Pestizid Parathion belasteter Weihnachtsbaum gefunden wurde. Seither würden in den größeren Verkaufsstellen in Gemünden nur noch Bio-Weihnachtsbäume angeboten und seitens der Christbaumanbauer zeige sich nun eine größere Gespächsbereitschaft im Hinblick auf eine mechanische Unkrautbekämpfung anstelle von Glyphosat.
 
Bei den Biotopen im Ölgrund bei Gössenheim sei eine Durchquerung des Naturschutzgebiets an der Homburg durch den "Südlink" wohl vom Tisch. Dafür hätte sich auf den verbandseigenen Flächen viel Wildwuchs breitgemacht, der teilweise nur durch mühselige Handarbeit der Aktiven im Zaum gehalten werden konnte. Sehr gut angenommen wurde das Angebot eines Repair-Cafés im Huttenschloss, mit dem die Natürschützer ein Zeichen gegen die Wegwerf-Gesellschaft setzen wollen.
 
Herausforderungen gebe es auch in diesem Jahr genug.  So gelte es nicht nur, Fledermausbestände zu erfassen, sondern stellenweise seien auch ihre Hinterlassenschaften zu beseitigen. Nicht hinnehmen wollen die Naturschützer die Verfahrensweise des Austauschs der Wasserzähler im Bereich Gemünden durch elektronische Geräte mit Datenübermittlung per Funk. Hier teile die Verbandsspitze nicht die Ansicht des bayerischen Innenministeriums und Gemeindetags, dass die periodisch gesendeten Funksignale für jedermann harmlos seien und sehe auch das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung gefährdet. Die Wasserabgabesatzung der Stadt Gemünden sehe wohl ein Widerspruchsrecht gegen den Einbau der Funkzähler vor, die Wahrnehmung dieses Rechts gelinge aber nur sehr aufmerksamen Bürgern, die sich auch der Tragweite der Umrüstungsmaßnahme bewusst seien. Wenig Verständnis zeige man auch für die geplante Aufforstung von Freiflächen südwestlich von Schaippach, die eigentlich als Weideflächen für die biologische Landwirtschaft dringend benötigt würden.
 
Keine Sorge bereitete indessen der Rechenschaftsbericht des Kassiers Karl Seufert. Erwin Scheiner von der BN-Kreisgruppe Main-Spessart sprach darüber hinaus allen Ortsgruppen des Main-Spessart-Kreises ein dickes Lob für ihre gewissenhaften Kassenberichte aus. Dementsprechend fiel die Entlastung des Vorstands auch einstimmig bei einer Enthaltung aus.
 
Die einzige Neuwahl betraf das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Hier wurde Roland Illing aus Adelsberg, der der Ortsgruppe schon seit vielen Jahren als Beisitzer angehört und als Biologie-Fachmann bekannt und geschätzt ist, ohne Gegenstimmen gewählt.
 
Den Abschluss bildete ein Vortrag von Alfred Dill über die Karlstädter Trockengebiete. Alfred Dill  zeigt als zertifizierter Natur- und Landschaftsführer den Menschen in Karlstadt seit vielen Jahren die Besonderheiten der Naturschutzgebiete im Maintal. In seinem Vortrag gab er interessante Einblicke über die Entstehung der einzigartigen Flora und Fauna rund um Greinberg, Mäusberg und den Saupurzel und konnte seine Zuhörer mit faszinierenden Bildern von Orchideen und seltenen Insekten begeistern. So war vielen vorher sicher nicht bekannt, welcher Tricks sich einheimische Pflanzen sich bedienen, um Insekten zur Bestäubung anzulocken und wer hätte schon gedacht, dass das Identifikationssymbol, der Alpen, das Edelweiß, ein eiszeitlicher Import aus Kasachstan ist. Er konnte auch die beruhigende Erkenntnis geben, dass die Orchideenbestände durch den Klimawandel sich wohl verändern, aber nicht zurückgehen. Mit seltenen Impressionen aus dem Maintal zur Winterzeit konnte er dann auch einen markanten Schlusspunkt setzen, der nicht weniger eindrucksvoll war als die von prächtigen Farben geprägten vorangegangenen Bilder.


Glyphosphatverzicht: BUND Naturschutz appelliert an Christbaumzüchter

In einem Schreiben hat sich der BUND Naturschutz Main-Spessart (BN) an die Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer gewandt. In Anbetracht der  jüngsten Meldungen über das verbreitete Insektensterben und dem Rückgang der Vogelpopulationen hält der BN den Verzicht auf einen Einsatz von Herbiziden, vor allem auf der Basis von Glyphosat, für dringend notwendig.

Der BN sieht in dem exzessiven Einsatz von Herbiziden und Pestiziden einen der Hauptgründe für das Insektensterben und die damit einhergehende Nahrungsknappheit bei Singvögeln. Zudem ist nach Auffassung des BN der Einsatz von Glyphosat nicht länger zu verantworten.

Der Glyphosateinsatz in Weihnachtsbaumkulturen hat in den letzten Jahren zu mehreren Kontroversen in und um das "Christbaumdorf" Mittelsinn geführt. Eine Bürgerinitiative in Burgsinn hatte z.B. den Marktgemeinderat auf zunehmende Krebsfälle im Sinngrund, auf Bienenvölker, die nach Spritzmitteleinsatz eingegangen seien und auf das Gift Atrazin hingewiesen, das in früheren Trinkwasseruntersuchungen nachgewiesen worden sei. Der BN hält es für nicht ausgeschlossen, dass dieses seit Jahrzehnten nicht mehr verwendete Gift durch die in den Herbiziden als Hilfsstoffe eingesetzten Netzmittel freigesetzt worden ist. 

Zudem sieht der BN in diesen Netzmitteln auch eine ernsthafte Bedrohung für die Amphibien in den betroffenen Bereichen. Sie sind nach seiner Einschätzung für diese noch wesentlich gefährlicher als Glyphosat selbst und auch in Herbiziden enthalten, die andere Wirkstoffe als Glyphosat aufweisen. 

Der BN sieht in einem Verzicht auf Glyphosat haltige Herbizide sogar eine Chance für den Weihnachtsbaumanbau in der Region.  Die mechanische Unkrautbekämpfung hat sich bewährt und erweist sich inzwischen auch als wirtschaftlich vorteilhafter als der konventionelle, von Spritzmitteln abhängige Anbau von Weihnachtsbäumen. Ein Christbaumdorf, das sich auch noch als nachhaltig wirtschaftend bezeichnen kann, hätte bei der Vermarktung wesentlich bessere Chancen und könnte auch mit einer Unterstützung des BN rechnen. 


Wildpflanzengarten Gössenheim - ökologisches Kleinod in Gefahr

Bienenragwurz
Bienenragwurz
Purpurorchidee
Purpurorchidee
Schlingnatter
Schlingnatter
Trassenkorridore
Südlink Trassenkorridore

Was ist die Ausweisung eines Naturschutzgebiets noch wert?

"Wildpflanzengarten" klingt von vornherein paradox. Ein Garten? Viele verstehen darunter eine gepflegte Anlage, die nach bestimmten Regeln der gärtnerischen Kunst angelegt wurde. "Wildpflanzen" hingegen entwickeln sich in einer freien ungezwungenen Natur, wo sie ohne menschlcihes Eingreifen gedeihen. Es ist jedoch möglich, die Gegensätze, die der Ausdruck Wildpflanzengarten birgt, in Einklang zu bringen.

In einer Zeit der technisierten Landwirtschaft, wo mit allen erdenklichen Mitteln die Flur von jedem nicht Gewinn bringenden Gewächs frei gehalten werden muss, in der Zeit der chemisch gesäuberten Großanbauflächen sind etliche Pflanzenarten, die die Felder unserer Großväter beherrschten, vom Aussterben bedroht. Diesen Pflanzen gibt der Wildkräutergarten ein Refugium. So wachsen hier noch das Bilsenkraut, der Stechapfel, die lilafabenen Kelche der Kornrade und inzwischen auch reiche Vorkommen seltener Orchideenarten wie dem Mückenhändelwurz, dem Sumpfragwurz und der Purpurorchidee. An zum Teil neu eingerichteten Trockenmauern wachsen Mauerpfeffer, Fetthenne, Fingersteinbrech und Osterluzei und inzwischen selten gewordene Tiere wie die Schlingnatter, der Wendehals und der Neuntöter fühlen sich hier wohl.

Der Wildpflanzengarten erstreckt sich auf ungefähr 3 ha am Südhang des sog. Ölgrunds, mitten in zum Teil neu angelegten Weinbergen unterhalb der Burgruine Homburg, nahe bei Gössenheim im Landkreis Main-Spessart. Dank seiner günstigen Lage ist er von vornherein ein Paradies für Pflanzen und Tiere. Wie die wenigen noch verbliebenen Terrassen es bezeugen, handelt es sich um eine ehemalige Weinbergslage. Wegen des äußerst mageren, steinigen Bodens  und der zu geringen Erträge wurde der Weinbau aufgegeben, Obstbäume wie Apfel-, Zwetschgen, Kirsch- und Nussbäume wurden vernachlässigt. An der oberen Grenze, am Wegrand, entstand eine dichte Hecke, die eine kaum vorstellbare Vielfalt  an Hölzern birgt.

Doch gerade durch dieses paradiesische Fleckchen Erde verläuft nun ein Trassenkorridor des "Südlink" Ein Höchstspannungs-Gleichstrom-Erdkabel soll den Süden Deutschlands mit Strom versorgen. Das bedeutet: Eine Großbaustelle mit Erdbewegungen wie für eine neue Bundesstraße - einem Graben von bis zu 20 m Breite und 3 m Tiefe - durch den das Naturschutzgebiet an der Homburg zerschnitten und im Gebiet des Trassenkorridors tiefgründig zerpflügt und plattgewalzt wird. Von den Betreibern wird versichert, man werde den Verlauf des Erdkabels nach Beendigung des Bauvorhabens nicht mehr sehen. Vor allem wird aber von den Naturschätzen, die in diesem kleinen Paradies noch gedeihen, nichts anderes übrig bleiben als ein langweiliger Streifen Acker, der selbst für die Landwirtschaft nicht mehr taugt.

Derartige Zerstörungen in einem Naturschutzgebiet - wie ist das möglich? Von den Netzbetreibern wird angeführt, dass durch das Gebiet an der Homburg bereits eine Gasleitung verläuft, die für das Areal eine Vorbelastung bedeutet. Bei der Festlegung der Trassenkorridore sei jedoch die "Bündelung" von Versorgungsleitungen ein Maßgabe, die dem Naturschutz übergeordnet sei.

Schlüssiger jedoch ist jedoch die Vorgabe, dass "Raumwiderstände" möglichst umgangen werden sollten. Was das bedeutet, zeigt sich an der aktuellen Diskussion um die Trassenführung: Dass nämlich unter "Raumwiderständen" vor allem bürgerlicher Widerstand zu verstehen ist und der geringste Widerstand im Main-Spessartkreis anzutreffen war. Somit ist der Verlauf der Südlink-Trasse wohl vorgezeichnet - ohne Rücksicht auf Verluste.

 

November 2016