Ortsgruppe Gemünden

Schachblume
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Vorstandschaft der Ortsgruppe Gemünden-Sinngrund

1. Vorsitzende: Hartmut Haas-Hyronimus, 97737 Gemünden, 09351/6041055, haas-hyr@t-online.de
2. Vorsitzender: Thomas Müller, Gemünden
Kassier: Karl Seufert, Gräfendorf
Schriftführer:  Matthias Ruppert, Langenprozelten
Kassenprüferin: Andrea Gessner, Gemünden
Beisitzer: Ronald Illing, Gemünden, Christian Ruppert, Rieneck, Oliver Kaiser, Gräfendorf, Katharina Ruppert, Gemünden


Wildpflanzengarten Gössenheim - ökologisches Kleinod in Gefahr

Bienenragwurz
Bienenragwurz
Purpurorchidee
Purpurorchidee
Schlingnatter
Schlingnatter
Trassenkorridore
Südlink Trassenkorridore

Was ist die Ausweisung eines Naturschutzgebiets noch wert?

"Wildpflanzengarten" klingt von vornherein paradox. Ein Garten? Viele verstehen darunter eine gepflegte Anlage, die nach bestimmten Regeln der gärtnerischen Kunst angelegt wurde. "Wildpflanzen" hingegen entwickeln sich in einer freien ungezwungenen Natur, wo sie ohne menschlcihes Eingreifen gedeihen. Es ist jedoch möglich, die Gegensätze, die der Ausdruck Wildpflanzengarten birgt, in Einklang zu bringen.

In einer Zeit der technisierten Landwirtschaft, wo mit allen erdenklichen Mitteln die Flur von jedem nicht Gewinn bringenden Gewächs frei gehalten werden muss, in der Zeit der chemisch gesäuberten Großanbauflächen sind etliche Pflanzenarten, die die Felder unserer Großväter beherrschten, vom Aussterben bedroht. Diesen Pflanzen gibt der Wildkräutergarten ein Refugium. So wachsen hier noch das Bilsenkraut, der Stechapfel, die lilafabenen Kelche der Kornrade und inzwischen auch reiche Vorkommen seltener Orchideenarten wie dem Mückenhändelwurz, dem Sumpfragwurz und der Purpurorchidee. An zum Teil neu eingerichteten Trockenmauern wachsen Mauerpfeffer, Fetthenne, Fingersteinbrech und Osterluzei und inzwischen selten gewordene Tiere wie die Schlingnatter, der Wendehals und der Neuntöter fühlen sich hier wohl.

Der Wildpflanzengarten erstreckt sich auf ungefähr 3 ha am Südhang des sog. Ölgrunds, mitten in zum Teil neu angelegten Weinbergen unterhalb der Burgruine Homburg, nahe bei Gössenheim im Landkreis Main-Spessart. Dank seiner günstigen Lage ist er von vornherein ein Paradies für Pflanzen und Tiere. Wie die wenigen noch verbliebenen Terrassen es bezeugen, handelt es sich um eine ehemalige Weinbergslage. Wegen des äußerst mageren, steinigen Bodens  und der zu geringen Erträge wurde der Weinbau aufgegeben, Obstbäume wie Apfel-, Zwetschgen, Kirsch- und Nussbäume wurden vernachlässigt. An der oberen Grenze, am Wegrand, entstand eine dichte Hecke, die eine kaum vorstellbare Vielfalt  an Hölzern birgt.

Doch gerade durch dieses paradiesische Fleckchen Erde verläuft nun ein Trassenkorridor des "Südlink" Ein Höchstspannungs-Gleichstrom-Erdkabel soll den Süden Deutschlands mit Strom versorgen. Das bedeutet: Eine Großbaustelle mit Erdbewegungen wie für eine neue Bundesstraße - einem Graben von bis zu 20 m Breite und 3 m Tiefe - durch den das Naturschutzgebiet an der Homburg zerschnitten und im Gebiet des Trassenkorridors tiefgründig zerpflügt und plattgewalzt wird. Von den Betreibern wird versichert, man werde den Verlauf des Erdkabels nach Beendigung des Bauvorhabens nicht mehr sehen. Vor allem wird aber von den Naturschätzen, die in diesem kleinen Paradies noch gedeihen, nichts anderes übrig bleiben als ein langweiliger Streifen Acker, der selbst für die Landwirtschaft nicht mehr taugt.

Derartige Zerstörungen in einem Naturschutzgebiet - wie ist das möglich? Von den Netzbetreibern wird angeführt, dass durch das Gebiet an der Homburg bereits eine Gasleitung verläuft, die für das Areal eine Vorbelastung bedeutet. Bei der Festlegung der Trassenkorridore sei jedoch die "Bündelung" von Versorgungsleitungen ein Maßgabe, die dem Naturschutz übergeordnet sei.

Schlüssiger jedoch ist jedoch die Vorgabe, dass "Raumwiderstände" möglichst umgangen werden sollten. Was das bedeutet, zeigt sich an der aktuellen Diskussion um die Trassenführung: Dass nämlich unter "Raumwiderständen" vor allem bürgerlicher Widerstand zu verstehen ist und der geringste Widerstand im Main-Spessartkreis anzutreffen war. Somit ist der Verlauf der Südlink-Trasse wohl vorgezeichnet - ohne Rücksicht auf Verluste.

 

November 2016