Viele ehrenamtliche Stunden geleistet

Landesweit setzen sich immer mehr Menschen aktiv für die Bewahrung von Bayerns Lebensgrundlagen ein. Zum Jahresende 2017 erreichte der BN mit rund 228.000 Mitgliedern und Förderern den größten Mitgliederstand in seiner 105 jährigen Geschichte. Im Landkreis Main-Spessart liegt die Zahl der Mitglieder bei knapp 2600.

11.01.2018

Über eine Million Stunden Gemeinwohlarbeit wurden von den ehrenamtlich Aktiven in den rund 600 Orts- und Kreisgruppen für den Schutz von Mensch und Natur geleistet, viele Stunden davon auch im Landkreis Main-Spessart. Die Bedeutung des Ehrenamtes zeigt sich auch in den Ehrungen langjährig aktiver Naturschützer: Alfred Dill aus Karlstadt wurde von der Umweltministerin Ulrike Scharf mit dem Grünen Engel ausgezeichnet, Stefan Mohr aus Kreuzwertheim (silber) und Erich Perchermeier aus Marktheidenfeld (gold) erhielten Verdienstnadeln des Landkreises Main-Spessart.

Zu den vielfältigen Aufgabenbereichen der Naturschützer im Landkreis gehört beispielsweise die aktive Biotoppflege, aber auch die Betreuung zahlreicher Amphibienwanderwege. Neben der Pflege zahlreicher Flächen im Landkreis wie zum Beispiel der Pechwiesen bei Eußenheim, der Streuobstwiesen in Himmelstadt und Marktheidenfeld oder der Wiesen im Himmelreich bei Kreuzwertheim werden auch aktiv Biotope gestaltet. So richtet die Ortsgruppe Karlstadt derzeit einen alten Eiskeller als Fledermauswinterquartier her.

Der Kreisgruppe ist es in diesem Jahr auch gelungen ein wertvolles schutzwürdiges Grundstück zu erwerben: die 3,5228 ha  große Fläche in liegt im FFH-Gebiet und ist ein vor allem für Tagfalter und Orchideen extrem wertvoller Mager- und Trockenstandort. Der vorhandene ehemalige Steinbruch hat sich zum Fledermausquartier entwickelt, der Stollen wurde von der OG Karlstadt in den 80er Jahren gesichert. Laut Artenschutzkartierung Bayern ist die Fläche Lebensraum vom Grauen Langohr, Mopsfledermaus, Frühem Perlmuttfalter und Fetthennen-Bläuling. Diese Arten sind auf der bundesweiten Roten Liste als stark gefährdet eingestuft. Vorort-Termine im Frühjahr zeigten zwei Stellen mit Fetthenne und Fraßspuren der Fetthennen-Bläulings-Larven sowie die Zweipunkt-Dornschrecke und en Pillendreher. Langfristige soll die Fläche durch geeignete Landschaftspflegemaßnahmen und Beweidung gesichert werden.

Mit Sorge betrachtet der BN den fortschreitenden Flächenverbrauch, hier ist man oft machtlos, wenn es darum geht Flächen vor weiterer Überbau-ung/Versiegelung zu schützen. Der BN setzt sich in seinen Stellungnahmen oft kritisch mit den Planungsvorhaben auseinander oder lehnt sie aus naturschutzfachlicher Sicht ganz ab. Trotz Bevölkerungsrückgang werden in Main-Spessart nach wie vor Wohngebiete und Gewerbeflächen erschlossen, anstatt auf Nachverdichtung, Flächenrecycling o.ä. zu setzen. Gerade planen im Raum Marktheidenfeld drei Kommunen neue Gewerbegebiete (Altfeld, Unterwittbach, Rettersheim) mit einer Gesamtfläche von fast 100 ha. Der Artenschutz und der Erhalt des Landschaftsbildes haben dabei bei den Kommunalvertretern keinen oder geringen Stellenwert. Aber auch Folgeprobleme wie Veränderungen im Wasserhaushalt, Auswirkungen auf das Lokalklima oder die Zunahme des Zielverkehrs werden ausgeblendet.

Auf Recycling anderer Art setzt der BN mit seinen Repair Cafès. In diesen temporären Selbsthilfewerkstätten wird unter der Anleitung von Fachleuten versucht, defekte Gegenstände zu reparieren. Bei Kaffee und Kuchen stehen die ehrenamtlichen Fachleute mit Werkzeug, Wissen, Rat und Tat zur Verfügung. Der BUND Naturschutz möchte mit diesen Repair-Cafes ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen, Müll vermeiden helfen und auch einen sozialen Treffpunkt schaffen. In Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld haben sich die Repair Cafés bereits etabliert und werden sehr gut angenommen. Jetzt ist ein weiteres in Gemünden dazu gekommen. Die Termine sind auf der BN Homepage veröffentlicht.

Gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden engagiert sich der BN für den Erhalt schutzwürdiger Waldflächen im Spessart. Mit der Herausnahme des Spessart aus den Nationalpark-Überlegungen hat die Bayrische Staatsregierung substanzielle Maßnahmen zur Förderung des Natur- und Artenschutzes im Spessart beschlossen. Gemeinsam haben die Naturschutzorganisationen deshalb zum Jahresende 2017 ein landkreisübergreifendes, differenziertes Naturwaldverbund-Konzept für den Spessart vorgeschlagen. Dieses 3-Säulen-Konzept besteht aus einem großen Kerngebiet, mehreren mittelgroßen Spenderflächen und etlichen kleinen Naturwaldflächen bzw. Trittsteinen. Im Biotopverbund sollen diese über den Spessart verteilten knapp 9.000 ha großen Staatswaldflächen dauerhaft als Naturschutzgebiete geschützt werden.

Auch den Christbaumkulturen im Spessart bzw. Sinngrund galt das Augenmerk. Hier fordert der BN einen Verzicht auf Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel und wirbt für den Kauf biologisch erzeugter Bäume. Die Kreisgruppe beteiligte sich im Dezember wieder bei der Aktion des B.U.N.D., bei der deutschlandweit Baumproben analysiert werden. Eine Christbaumprobe aus dem Sinngrund  war dann auch mit E605 belastet. Die Bäume wurden sofort aus dem Verkauf genommen und von der Verkaufsstelle durch Bio-Bäume ersetzt. Der BN wird sich  auch im neuen Jahr für mehr biologisch erzeugte Bäume im Sinngrund einsetzen.

Im Spessart zeigt sich immer häufiger der Wolf, was insbesondere bei Tierhaltern und Schäfereien zu Verunsicherungen führt. Ein Vortrag mit dem Wolfsexperten Ulrich Wotschikowsky, den die Kreisgruppe eingeladen hatte, versuchte Hintergrundwissen zu vermitteln und für die Koexistenz mit diesem Beutegreifer zu werben.

Ein großes Erfolgsprojekt sind die acht Kindergruppen des BN, die von den Ortsgruppen in Lohr, Marktheidenfeld, Himmelstadt, Zellingen und Kreuzwertheim organisiert werden. Die Kindergruppen in Lohr und Kreuzwertheim erhielten dabei 2017 eine finanzielle Unterstützung im Rahmen des LEADER-Projektes "Unterstützung Bürgerengagement" für das Projekt LEBENSRÄUME DES SPESSARTS ENTDECKEN, ERLEBEN, ERHALTEN. Das Kinderangebot des BUND Naturschutz wird in Karlstadt ergänzt von Kinderaktionen in den Schulferien. In Marktheidenfeld wurde zusätzlich ein Naturerlebnisangebot für geflüchtete Kinder durchgeführt. Unter dem Motto „Natur erleben in der (neuen) Heimat“ fanden einmal monatlich unter fachkundiger Leitung Aktionen in und mit der Natur statt, zu der auch heimische Kinder eingeladen waren. Das Projekt wurde finanziell unterstützt vom Bayrischen Jugendring und dem Lionsclub Marktheidenfeld-Laurentius.

Das Umweltbildungsprojekt 2017 „Auf geht’s – raus geht’s“, gefördert vom Umweltministerium mit Mitteln zur Förderung der Intensivierung  der Umweltbildung in Bayern, erreichte mit Aktionen an Kindergärten, Schulen, mit den Kindergruppen, auf der Burg Rothenfels uvm. wieder eine große Zahl an Teilnehmern. Besonders gelungen war die mehrtägige Wanderung rund um Marktheidenfeld im Rahmen des städtischen Ferienprogrammes.

Um das Thema Landwirtschaft, regionale Produktion und gesunde Ernährung wieder in den Blick zu rücken, wagte sich der BN an einen etwas anderen Themenabend: nach einem Einführungsreferat von Marion Ruppaner, Landwirtschaftsreferentin beim BUND Naturschutz, konnten die Teilnehmer in Gesprächen mit verschiedenen kompetenten Diskussions- und Informationspartnern aus der Region Vieles über regionale Produkte erfahren, Wissen austauschen und Ideen für das praktische Handeln gewinnen. An neun Thementischen standen Produzenten oder Händler als Gesprächspartner zur Verfügung: mit dabei waren die Biogärtnerin Astrid Späth aus Sackenbach, das Reformhaus Lohr, der Weltladen Lohr, der Obsthof Stenger aus Halsbach, die Main-Streuobst-Bienen eG aus Margetshöchheim, die Brauerei Goikel aus Halsbach, die Schäferei Tausch aus Bergrothenfels, die Landwirtin Barbara Roth aus Lohr und Feinkost Englert aus Lohr. Im Vorfeld wurden in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kinos die Filme „Bauer Unser“ und „Code of Survival“ gezeigt.

Viele Exkursionen, Vorträge und Führungen  gerade auch in den Ortsgruppen rundeten das Angebot und die Aktivitäten des BN ab und sind auch frü das neue Jahr wieder in Planung. Aktuelle Termine sind der Homepage zu entnehmen und werden in der lokalen Presse veröffentlicht. Der nächste Termin ist Jahreshauptversammlung 2018 der BN-Kreisgruppe am 2. März 2018 um 19 Uhr in Marktheidenfeld im Hotel Zur Schönen Aussicht.