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Ortsgruppe Karlstadt pflegt Kopfweide im Werntal

Eine Kopfweide ist eine spezielle Baumform der Weide, die durch das „Köpfen“ des Stammes nach ca. 7 Jahren und den späteren, regelmäßigen Schnitt der aus dem Kopf ausgetriebenen Äste entstanden ist. Früher wurden Kopfweiden hauptsächlich entlang von Gräben und Gewässern zur Uferbefestigung und zur Kennzeichnung von Flurgrenzen gepflanzt.

04.11.2020

Dabei hatte die Nutzung der Weiden als „Kopf-bäume“ auch wirtschaftliche Gründe. So wurden die schnell wachsenden Kopfäste als Flechtmaterial für die Korbflechterei, zur Ausfachung von Fachwerkhäusern, für Flechtzäune und Uferbefestigungen oder als Brennholz genutzt. Heutzutage haben die Kopfweiden kaum noch wirtschaftlichen Wert. Vereinzelt wird Weidenschnitt als Flechtmaterial, als Steckhölzer für Neupflanzungen oder zur Herstellung von Weidenfaschinen zur Böschungssicherung genutzt wird. Wichtiger ist heute die ökologische Bedeutung. Die Kopfweiden prägen unser Landschaftsbild, und insbesondere alte Bäume mit Totholz und Stammhöhlen sind Lebensräume für zahlreiche bedrohte Tiere und Pflanzen:

So bieten sie epiphytischen Pflanzen vielfältige Lebensmöglichkeiten: Moose, Algen und Flechten leben im Kronen- und Stammbereich an der Rinde der Kopfweiden, andere siedeln auf Kopfweiden in dem mehr oder weniger stark zersetzten Holz, im Mulm und an absterbender Rinde, z. B. Brennnessel,  Himbeere, Löwenzahn,   Springkraut,  Taubnesselarten, aber auch Gehölze wie Himbeere, Holunder, Eberesche u.a. Sie werden meist über Wind, Vogelkot und Ameisen verbreitet und können durch ihr Wurzelwerk auch die Stämme der Kopfweiden spalten.

Auch Baumpilze sind auf Kopfweiden zu finden, da diese den pilzlichen Erregern günstige Eindringmöglichkeiten bieten, denn der ständige Schnitt hinterlässt Wunden, die die Weide nur unzureichend verschließt.

Einen Lebensraum bietet eine Kopfweide ebenso vielen Tieren, z.B. vielen Käfern, bis zu 90 Arten können hier vorkommen. In den Höhlen der Kopfweiden finden höhlenbewohnende Vögel wie Steinkauz,  Hohltaube, Wiedehopf, Meisenarten, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und Trauerfliegenschnäpper ideale Lebensbedingungen.

Vor Ort in Schönarts werden die beim Weidenschnitt anfallenden Äste für die Fütterung von Damwild genutzt, gleichzeitig wurden ca. 1 m lange Äste am Biber Revier in Steinfeld-Hausen gesetzt.

Fotos Birgit Fröhlich, BN Karlstadt