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Fernreisen war einmal – Klimawandel beeinflusst Flugrouten unserer Zugvögel

Im Herbst machen sich die Zugvögel wieder auf den Weg und sind vermehrt in der Natur zu beobachten. Der Klimawandel beeinflusst jedoch Abflugzeiten und Flugstrecken. Der richtige Zeitpunkt des Zuges ist abgestimmt auf das Futter in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten. Immer mehr Vögel versuchen ihr Glück daheim. Der BUND Naturschutz erklärt, warum das so ist.

13.09.2022

Viele Vogelarten machen sich derzeit auf den Weg Richtung Süden. Auch Zugvögel müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Manchmal lässt sich das im heimischen Garten beobachten, dort dürften sich im Moment besonders viele kleinere Vögel tummeln. Oft fallen diese Tiere nur deshalb auf, weil sie entweder gar nicht im Garten vorkommen oder viel weniger häufig zu beobachten sind. Kleine Zugvögel, die keine Thermik benötigen, sind vor allem nachts unterwegs. Tagsüber ruhen sie sich eher aus und suchen beispielsweise im Garten nach Nahrung.

Beim Vogelzug denken viele Menschen eher an große Vögel wie Kraniche, Störche oder Gänse, die majestätisch über den Himmel ziehen. Aber es sind eben auch die kleinen Vögel, die jetzt unterwegs sind und unsere Aufmerksamkeit erregen. Die kleinen olivbraunen Fitisse oder die graubraunen Dorngrasmücken mit der auffälligen weißen Kehle etwa bewegen sich tagsüber in kleineren Grüppchen von Garten zu Garten. Nachts können sie längere Strecken zurücklegen. Der Abzug aus dem Brutgebiet erfolgt ab September, sie überwintern in Afrika südlich der Sahara. Die auffälligen Starenschwärme lassen sich ebenfalls im September und Oktober gut beobachten. Manchmal scharren sich viele hundert Tiere zusammen und bieten ein wirklich tolles Naturschauspiel in der Luft und ein wunderbares Konzert in den Baumkronen oder auf den Hochspannungsleitungen, wenn sie sich für den nächsten Abflug sammeln.

Doch Fernreisen sind out: Aufgrund des Klimawandels ist schon jetzt ein anderes Verhalten der Zugvögel zu beobachten. Viele Vögel verkürzen die Wege, etwa Weißstörche, die in Spanien statt in Afrika überwintern. Manche Arten bleiben gleich ganz im heimischen Brutgebiet. Das ist allerdings gefährlich. Fällt der Winter doch kalt und schneereich aus, finden die Tiere keine Nahrung und sterben. Manchen Arten machen die veränderten Bedingungen in ihren Überwinterungsquartieren zu schaffen. Ein Trauerschnäpper muss beispielsweise früh genug wieder zurück in Deutschland sein. Er konkurriert nämlich mit den daheim gebliebenen Vögeln um Brutplätze. Wenn aber die Regenzeit im afrikanischen Überwinterungsgebiet schwächer ausfällt, kann er sich nicht rechtzeitig die Energie für den Rückflug anfressen.

Andere Vögel haben sich erstaunlich schnell an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich aus. Die Mönchsgrasmücke fliegt beispielsweise nur bis in den Mittelmeerraum. Wenn sie merkt, dass das Wetter mild ist, fliegt sie zurück, legt früher Eier und verlässt uns später im Herbst. Viele bayerische Mönchsgrasmücken haben ihre Route sogar komplett geändert und fliegen nicht mehr nach Spanien, sondern lieber nach Großbritannien. Dort finden die Tiere auch im Winter genug Nahrung. Die Mönchsgrasmücken, die dorthin fliegen, kehren früher und gut genährt zurück und können dann auch die besseren Reviere besetzen, als ihre spanischen Kollegen.