Genial, toll, weiter so!

„Genial, toll, weiter so!“ – so lautete ein Fazit von Teilnehmern am Themenabend „Klimaschutz – auf geht’s!“ der Katholischen Pfarrgemeinde Marktheidenfeld und des BUND Naturschutz Main-Spessart.

07.05.2018

Anstelle einer reinen Vortragsveranstaltung hatten die Organisatoren verschiedene Akteure gewonnen, die an insgesamt acht Tischen ihre eigenen Aktionen zum Klimaschutz kleinen Besuchergruppen vorstellten und mit den Anwesenden ins Gespräch kamen. Dieses Veranstaltungsformat sorgte für eine lockere und angenehme Atmosphäre und viele zufriedene Beteiligte.

Pfarrer Hermann Becker und Pastoralreferent Ulrich Geißler, beide Pfarrgemeinde Marktheidenfeld, eröffneten den Abend mit einem spirituellen Impuls zum 32. Jahrestag von Tschernobyl. Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukoshima könnten auch ein Signal sein für einen maßvolleren Lebensstil. „Wir dürfen nicht jeden Quadratmeter Land für uns brauchen; wir dürfen nicht Energie konsumieren ohne Grenzen; wir müssen lernen, dort zurückzustecken, wo die Grenzen der Tragekapazität der Erde erreicht oder überschritten sind. Biblisch ausgedrückt heißt es in Genesis, dem 1. Buch der Bibel: Wir sind ein Teil dieser von Gott gut geschaffenen Schöpfung und von Gott dazu aufgerufen, diese Schöpfung zu "bebauen und zu hüten".“

Anschließend stellte Pastoralreferent Rainer Zöller aus Waldbüttelbrunn die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus vor. Papst Franziskus legt uns nachdrücklich den Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung und soziale Gerechtigkeit ans Herz. "Alles ist mit allem verknüpft" schreibt Franziskus. Die Schöpfung ist als ein gemeinsames Geschenk zu achten. Franziskus fordert alle Menschen auf, die Güter der Erde verantwortungsbewusst zu gebrauchen und sich um eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung zu kümmern. So könne die Menschheit die gewaltigen Herausforderungen von Klimawandel, Umweltzerstörung und sozialer Ungerechtigkeit meistern. Die Regierungen aller Länder sollten ihre Pflicht erfüllen, ihre Natur zu erhalten. Die Religionen müssten den Dialog aufnehmen und treibende Kraft sein für gegenseitige Achtung und Geschwisterlichkeit. Und jeder einzelne könne durch sein Konsumverhalten und seinen Lebensstil mitwirken.

Die Bemühungen einzelner verdeutlichte Rainer Zöller anhand der Geschichte vom Kolibri, der alleine beim Brand im Regenwald die Initiative ergreift und tropfenweise Wasser über dem Feuer ausbringt. Von größeren Tieren auf sein aussichtsloses Tun angesprochen erwidert er nur „Ich tue was ich kann und was ich tun muss“.

Conni Schlosser vom BUND Naturschutz forderte mit dem Beispiel des Kolibris alle Anwesenden auf, sich in ihrem Handeln zusammenzuschließen und zu einem ganzen Kolibirischwarm zu werden. Sie lud die Besucher ein, sich an den acht Thementischen über bestehende Initiativen zu informieren und sich zu eigenen Aktionen anregen zu lassen. Viermal hatten die Gäste dabei die Möglichkeit den Tisch zu wechseln.

Beim BUND Naturschutz Main-Spessart wurde das neue ProjektLebendige Gärten“ vorgestellt. Erich Perchermeier von der Ortsgruppe Marktheidenfeld betonte die Bedeutung der Vielfalt und warb dafür, wieder mehr naturnahe Elemente und unterschiedliche Pflanzen als Bausteine zum Klimaschutz im Hausgarten einzuplanen. Die Energieagentur Unterfranken e.V. und das Klimaschutzmanagement des Landkreises Main-Spessart waren vertreten durch Julia Stubenrauch und Michael Kohlbrecher. Sie stellten fest, dass die Besucher des Abends sich bereits mit der Thematik befasst haben und ausreichend Vorwissen mitbringen. Der Permakulturdesigner Jonas Gampe warb für ökologischen, pflegeleichten und zugleich ertragreichen Gartenbau und Landwirtschaft durch Permakultur. An diesem Tisch konnte besonders viel neues Wissen weiter gegeben werden und die 15 Minuten Redezeit reichten kaum aus, um den komplexen Gedankenansatz zu vermitteln, da viele Menschen gärtnern oder Landwirtschaft betreiben. Die Gruppe des KDFB Zweigverein „Frauenkreis Marktheidenfeld" um Luzia Terlau stellte ihre Recherchen rund um das Thema „Plastik: Segen oder Fluch?“ vor. Plastikflut, gefährliche Kunststoffe, Mikroplastik - was kann ich dagegen tun? Hier waren die Besucher besonders beeindruckt von der Verbreitung von Mikroplastik. Die Damen hatten im Vorfeld Plastikpartikel aus gängigen Duschgels ausgewaschen und konnten die Inhalte anschaulich präsentieren. Die Projektgruppe „Energiebewusstes Marktheidenfeld“ um Roswitha Peters präsentierten das Klimataschenbuch mit vielen Anregungen für jeden Tag. Sie betonten, dass sie als Gruppe von und für Bürger auch Impulse für den Stadtrat liefern möchten.

Großen Beifall brachte die Teilnahme der Fair-Trade-Schulen Balthasar-Neumann-Gymnasium und Mittelschule. Mit großer Besetzung um ihre Lehrer Holger Seidel und Wolfgang Schmitt präsentierten sie ihre Aktionen zum fairen Handel und waren dankbar für Impulse für neue Aktionen und Projektvorschläge. Schön war zu hören, dass sich hier die jungen Akteure bereits Gedanken machen, wie es über die eigene Schulzeit hinaus weiter gehen kann. Beim Vegetarierbund Marktheidenfeld und Frau Regina Leshel wurde deutlich, dass ein Klima-, Tier- und Gesundheitsschutz mit Messer und Gabel machbar ist, dass aber eine Ernährungsumstellung auch dauert. Hier besteht noch viel Informationsbedarf in der Bevölkerung. Beim Weltladen mit Christina Schlembach und Heinz Großhans zeigte sich, dass man Angebot und Aktionen bereits gut kennt, aber sich immer wieder von Neuem vornehmen muss, die Einkäufe auch dort zu erledigen.

Parallel zur Veranstaltung war die Ausstellung „Klimafaktor Mensch“ des Landesamtes für Umwelt gezeigt. Diese Bannerausstellung war bereits die Woche zuvor in der St. Josef-Kirche in Marktheidenfeld zu sehen.